By CAROL SUDHALTER
Jazz Ascona Gazette, 6/21 to 7/1/2007

Judy Carmichael – die viel beachtete, amerikanische Stride Pianistin – wird zum ersten Mal in Ascona zu hören sein. Sie wird von ihren Musikerfreunden Chris Flory an der Gitarre und Mike Hashim am Alt-Saxophon begleitet. In einem Interview erzählt sie ihre bewegende Geschichte:

Die Musik habe ich mir selbst beigebracht. Ich kam relativ spät zum Jazz. Während des Colleges war ich versessen auf Ragtime. Jemand spielte mir “Prince of Wales”, Basie mit Benny Moten, und es hat mein Leben verändert. Ich wollte auf genau diese Art Klavier spielen können. Also schloss ich mich in einem Raum ein, bis ich es beherrschte.

Die ersten Jahre waren manchmal etwas schwierig, denn ich war die einzige Frau in der Band und der Umgang mit meinen Altersgenossen war nich leicht. Ganz anders mit den ältern Musikern, die sich nur fur mein Können interessierten. Nachdem sie mich einmal spielen hörten, haben sie mich grossartig unterstützt.

Count Basie war einer meiner ersten Mentoren. Ich wuchs in Süd-kalifornien auf und traf Basie, Sarah, Benny Carter und Freddie Green als ich in Disneyland arbeitete (damals traten im Sommer dort Big Bands auf). Sie haben mich dazu ermutigt, einen Tonträger auf zunehmen. Dies brachte mich mit Marshal Royal, Freddie Green, Harold Jones und Red Callendar als Begleitmusiker zusammen. Die Platte wurde für den Grammy nominiert und gehört noch immer zu den Höhepunkten meiner Karriere. In den frühen Achtzigerjahren zog ich nach New York City um, wo ich von Roy Eldridge und Tommy Flanagan gefördert wurde. Sie trugen wesentlich zur Steigerung meines Bekanntheitsgrades bei.

Wenn ich zurückschaue, muss ich sagen, dass ich diesen älteren Musikern, die menie Karriere förderten, viel zu verdanken habe. Ohne ihre Unterstutzung hätte ich wohl aufgegeben. Ich bin glücklich, sie getroffen, ihre Musik und ihre Verpflichtung dem Vermächtnis des Jazz gegnuber erfahren zu haben. Sie haben mich immer angehalten, die Stride Tradition aufrecht zu halten. Joe Turner kam nach New York, um mich zu hören. Er fragte mich, ob ich ihn bei seinen Auftritten in New YUork und Paris begleiten wollte. Er war besorgt dafür, dass die Kritiker davon wussten wenn ich in der Schweiz oder in Paris auftrat.

Die grösste Überraschung meiner Karriere war, dass ich mit fortschreitendem Alter auch stärker wurde. Als junge Frau fuhlte ich mich oft ausgelaugt. Das passiert mir heute selten. Die Gesellschaft versucht den Frauen zu vermitteln, das Älterwerden auch ein verlust der Kräfte bebdeutet; ich finde, genau das Gegenteil ist der Fall!